Aus Büchern


   

Nur als ästhetisches Phänomen sind  das Dasein  und die Welt  ewig gerechtfertigt (F.Nietzsche)

Was sind aber die meisten Bücher anderes als höhere Bücherfutterale.  Jean Paul, Leben Fibels

Aber Fibel blieb getrost, er wusste, der Parnass will wie Wien erwartet sein, ja noch länger, da dieses selber noch auf jenen wartet; ja hätt er nicht vom Pfarrer Gelehrte unter den Händen gehabt, welche ihren literarischen Eierstock länger im Bauche als auf dem Neste ausbrüteten, so dass sie erst bei grauen Haaren aus dem Legdarm etwas Langes, einen Folianten zogen? "Eh' ich vielleicht mein Winterholz kleingehackt," sagt er, die Hände reibend, " hab ich was Langes beim Schwanz; aber dann arbeit ich wie ein Pferd und bring es fertig."
Hier ist ein Punkt, wo alte Schriftsteller jungen nachahmen sollten; nämlich sie sollten sich nur halb so viel Mühe geben, ihren Ruhm zu erhalten ( statt dass er sie erhalten muss), als jene sich geben, einen zu erwerben; denn nur wenige junge bedienen sich ihres Privilegierungs, anfangs bloß schlecht und für das Volk zu schreiben, so wie etwa an auf einem gut geschärften Mühlsteine zuerst ( wegen des abfallenden Sandes) nur für das Vieh gemahlen wird, erst später für uns!     Jean Paul, Leben Fibels

Es finden sich Belege in beider Geschichte, dass sie einmal abends nichts als einen einzigen Kartoffel verspeisten, aber einen so ungeheuren und diesen so freudig, dass ihnen dazu nichts zu wünschen übrig blieb als ein Gast         . Jean Paul, Leben Fibels


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"Wir haben uns viele Jahre nicht gesehen", sagte Daisy so sachlich, wie sie irgend konnte."
"Im November sind es genau fünf Jahre." Die mechanische Präszision von Gatsbys Antwort ließ uns minutenlang in ein neues verlegenes Schweigen zurücksinken." F.Scott Fitzgerald, Der große Gatsby.


"Gatsby glaubte an das grüne Licht, an die rauschende Zukunft, die Jahr um Jahr vor uns zurückweicht. Sie ist uns gestern entschlüpft, doch was tuts - morgen schon eilen wir rascher, strecken weiter die Arme. Und eines schönen Tages ...
So regen wir die Ruder, stemmen uns gegen den Strom - und treiben doch stetig zurück, dem Vergangenen zu." F.Scott Fitzgerald, Der große Gatsby.

 

„Connie hörte ihr fasziniert zu, war aber hinterher immer ein bisschen beschämt; es schickte sich nicht, mit zu abseitiger, verbissener Neugier zuzuhören. Man darf zwar die privatesten Dinge über andere Leute erfahren, aber nur voll Respekt vor dem ringenden, geschundenen Etwas, das jede Menschenseele ist, und im Geiste vornehmer, unterscheidender Anteilnahme.“

D.H. Lawrence, Lady Chatterley.  

„Um die Wahrheit zu sagen: er bereute das, was geschehen war – vielleicht am meisten um ihretwillen. Böse Ahnung erfüllte ihn. Kein Gefühl des Unrechts oder der Sünde – Gewissensbisse dieser Art fochten ihn nicht an. Er wusste, dass Gewissensbisse Furcht vor der Gesellschaft bedeuteten oder Furcht vor sich selbst. Er fürchtete sich nicht vor sich selbst. Doch vor der Gesellschaft hatte er ganz bewusste Angst, denn instinktiv wusste er, dass sie eine böse, halb wahnsinnige Bestie war.“

D.H. Lawrence, Lady Chatterley.

 

„ 'Ich wollte, dass die ganze übrige Welt verschwinde', sagte sie 'und dass ich mit dir hier leben könnte'.

'Sie wird nicht verschwinden', erwiderte er.“

D.H. Lawrence, Lady Chatterley.

 

„Es ist eine Frage der Bewusstheit, wie Buddha sagt. Aber sogar er drückte sich vor dem körperlichen Wissen und der natürlichen, physischen Zärtlichkeit, die am besten ist  – sogar zwischen Männern;  ... Ja wirklich, Zärtlichkeit, das ist es; das Bewusstsein, dass man einen Schwanz hat. Sexualität bedeutet im Grunde nur Fühlung, die engste aller Fühlungen. Und gerade vor der Fühlung haben wir Angst. Wir sind nur halb bewusst und halb lebendig. Wir müssen lebendig und bewusst werden.
D.H. Lawrence, Lady Chatterley.

"Arthur Schopenhauer war kein Buddha, und zu seinem Glück zwang er sich auch nicht dazu, es werden zu wollen. Klug ist er jener Tragödie ausgewichen, die darin besteht, daß einer versucht, den eigenen Inspirationen, den eigenen Einsichten hinterherzuleben. Schopenhauer hat sich nicht mit sich selbst verwechselt." Rüdiger Safranski, Schopenhauer und die wilden Jahre der Philosophie.

 

"Wie gehabt - - es fehlten immer noch 3 Millimeter. Naja, man konnte nicht alles haben. Ich langte rüber, holte mir das Buch vom Nachttisch, schlug es in der Mitte auf und begann Tolstois Krieg und Frieden zu lesen. Es hatte sich nichts geändert. Das Buch war immer noch Scheiße." 

Charles Bukowski, Schlechte Verlierer.

 "... sie demonstrierte mir nichts als meine Nichtanwesenheit ..."    Martin Walser, Das dreizehnte Kapitel


"Wer Menschen sucht, wird Akrobaten finden."   Peter Sloterdijk, Du musst dein  Leben ändern.

"Nichts stimmt, alles schwebt; aber es soll sich vielleicht schwebend halten, um nicht falsch zu werden ..." Aus Strindbergs Blaubuch , nach Sibylle Lewitscharoff, Consummatus

 

"Walter Kempowski veranstaltete regelmäßig Literaturseminare in seinem Haus, welches über ein großes Fenster verfügte, durch das man in den Garten schauen konnte, in welchem sich, wie eigentlich auf jeder freien Fläche in jeder Stadt und jedem Dorf in Europa, gewisse Mengen von Rabenkrähen einzufinden pflegten. Vögel, die eigentlich allen Menschen, die sehen oder auch nur hören können, bekannt sein müßten. Trotzdem hätten sich, so Kempowski, regelmäßig Literaturkenner mit der Frage zu Wort gemeldet, was denn da draußen für schwarze Vögel herumsäßen und -flögen." Max Goldt , Ein Buch namens Zimbo.

"Wenigstens 11.000 Kinder flitzten freudig fast den ganzen Tag durch die Insektizidschwaden. Widerliches Zeug, es schmeckte grauenhaft, es machte einen die Lungen kalkig, und man war hinterher von einer pulvrigen safrangelben Blässe überzogen, die man auch durch noch so viel Schrubben nicht ab bekam. Noch Jahre später spuckte ich jedes Mal, wenn ich in ein weißes Taschentuch hustete, einen kleinen Ring farbiges Pulver aus. Doch nie kam jemand auf die Idee, uns davon abzuhalten oder auch nur anzudeuten, dass es vielleicht nicht klug sei, durch Insektizidwolken zu flitzen. Womöglich dachte man, ein großzügiges besprühen mit DDT täte uns gut. So war das damals. Vielleicht betrachtete man uns auch nur als ersetzbar, weil es so viele von uns gab. Der andere Unterschied zu heute bestand darin, dass die Kinder beinahe die ganze Zeit draußen waren – ich kannte welche, die morgens früh um acht aus der Hintertür geschoben und vor fünf Uhr nachmittags nur dann wieder rein gelassen wurden, wenn sie lichterloh brannten oder in Strömen bluteten." 

Bill Bryson, Mein Amerika.

 

"... schaute ich hinüber zu den Bäumen, deren Blätter sich bereits voll entfaltet hatten und empfand ein Gefühl unsäglicher Fremdheit. Am Leben zu sein ist unerklärlich, dachte ich. Das Bewusstsein ist unerklärlich. Nichts auf der Welt ist normal."

Siri Hustvedt, Was ich liebte.

"Als ich meine Tür schloss, nachdem ich mich von Bill und Violet verabschiedet hattte, wusste ich, dass das Gefühl am nächsten Morgen fort sein würde. Das Vergängliche daran war Teil seiner Schönheit."  Siri Hustvedt, Was ich liebte.



"Ich habe keine Mühle mit Weidenbäumen /  Ich habe ein Pferd und eine Peitsche  /  Ich werde dich töten und gehen.  (Yomut Turkoman)" Bruce Chatwin, Songlines.



""Es war das Weib, das, mit der Neigung und dem Instinkt des Weibes für Geheimnisse, die belanglosesten und unschuldigsten Handlungen mit einer schwachen Spur des Bösen färbte."

William Faulkner, Licht im August.

"In Wirklichkeit aber hatte er die Idee weder von ihr, noch aus sich selbst, sondern aus einem Buch. Doch ihr Gesicht sah er überhaupt nicht. Er sah nichts von dem schmalen Oval, das sich zum Kinn allzu scharf zuspitzte und allzu zerwühlt war von Unzufriedenheit ... Er sah nicht, daß ihre Augen ihn drei Jahre lang mit nahezu verzweifelter Berechnung, wie die eines desperaten Spielers, beobachtet hatten. Dann eines Nachts, sah er sie, blickte er sie an. Sie sprach plötzlich und mit Heftigkeit vom Heiraten. Das kam ohne jede Vorbereitung oder Warnung."

William Faulkner, Licht im August.

"Sie werden mir sagen, daß Sie soeben die Liebe kennengelernt haben; ich sage Ihnen, daß Sie soeben die Hoffnung kennengelernt haben. Das ist alles; Hoffnung. Der Gegenstand tut nichts zur Sache, nicht für die Hoffnung, nicht einmal für Sie"  William Faulkner, Licht im August.
  

„ ‚Ich kannte mal eine Frau, die jedes Mal, wenn der Mann gegangen war, in den Tisch biss um ihren Ärger zu unterdrücken und nicht zu schreien. Er sollte nicht erfahren, wie sie wirklich war, sie wollte milde und weich erscheinen. Nach der Hochzeit kam dann alles raus. Darum nimmt dich in Acht. Du bist viel zu naiv. Nimm das Verhalten von Frauen nicht für bare Münze. Sei vorsichtig. Lass dich nicht täuschen.‘  "
Raja Shehadeh, Fremd in Ramallah.


"Vergeben und Vergessen heißt gemachte kostbare Erfahrungen zum Fenster hinauswerfen. Hat nun einer, mit dem wir in Verbindung, oder Umgang, stehn, uns etwas Unangenehmes, oder Ärgerliches erzeigt; so haben wir uns nur zu fragen, ob er uns so viel werth sei, daß wir das Nämliche, auch noch etwas verstärkt, uns nochmals und öfter von ihm wollen gefallen lassen; - oder nicht. Im bejahenden Fall wird nicht viel darüber zu sagen seyn, weil das Reden wenig hilft: Wir müssen also die Sache, mit oder ohne Ermahnung, hingehen lassen, sollen jedoch wissen, daß wir hiedurch sie uns noch einmal ausgebeten haben."   Arthur Schopenhauer, Paränesen und Maximen.



"Erbittert verfluchten wir Petermann und all seine Werke, die uns in die Irre geführt hatten." 

Philipp Felsch, Wie August Petermann den Nordpol erfand.

"Lebewohl, Hans Castorp, des Lebens treuherziges Sorgenkind! Deine Geschichte ist aus. Zu Ende haben wir sie erzählt; sie war weder kurzweilig noch langweilig, es war eine hermetische Geschichte. Wir haben sie erzählt um ihretwillen, nicht deinethalben, denn du warst simpel."

Thomas Mann, Der Zauberberg.